Berufungsgeschichten

Der leise Hauch von Heiligkeit

Die Berufungsgeschichte  von Sr. M. Daniela finden Sie in Form eines Poetry Slams

                              

 

Alles, was ich erlebt habe, war ein Anruf Gottes an mich

Begonnen hat meine Berufungsgeschichte so: Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich einen Traum. Ich stand vor einer großen schwarzen Tür, über der stand „Kloster“. Als ich das im Traum sah, lief ich erschrocken weg, da wollte ich nicht hin. Von dort kam ich an einen Rummelplatz, aber da habe ich mich auch nicht wohlgefühlt und bin weggegangen. Dieser Traum hat mich lange beschäftigt.
Seitdem habe ich über die Frage nachgedacht, ob das Ordensleben etwas für mich sein könnte, aber ins Kloster gehen wollte ich nicht.
Als ich dann 25 Jahre alt war, hat mich ein Wort in einem Gespräch sehr tief getroffen. Ich weiß nicht mehr, was es war, aber es ging da um Berufung. Ich war immer noch auf der Suche. Zu dieser Zeit suchte ich vor allem die Zerstreuung: ich ging tanzen, war bei der Hochzeit meiner Cousine, hatte mich neu eingekleidet und dachte: die Gedanken ans Kloster werden schon vergehen. Aber sie ließen mir doch keine Ruhe.
Ich kannte ein Säkularinstitut und das Crescentiakloster. Von diesen beiden Möglichkeiten, ein geistliches Leben zu führen, zog mich das Säkularinstitut mehr an. Wenn ich mir dagegen das Crescentiakloster vorstellte, schreckte mich die schwarze Kleidung ab. Im Säkularinstitut hätte ich meine Zivilkleidung behalten können.
Ich wohnte zu dieser Zeit im Marienheim des Crescentiaklosters, da ich in Kaufbeuren berufstätig war. Zu dieser Zeit habe ich viel über meine Berufung nachgedacht und viel gebetet. Vor einem Bild der heiligen Crescentia habe ich ihr gesagt: Nicht, dass du meinst, du könntest mich ins Crescentiakloster ziehen!
Als ich meine Freundin anlässlich ihrer Einkleidung im Crescentiakloster besuchte, sagte diese: Was wirst du mal tun? Da dachte ich mir im Stillen: Wenn ich da reinginge, müsste schon ein Wunder geschehen! (Ein Jahr später geschah das Wunder und ich trat ins Crescentiakloster ein.)
Ich betete um eine Erleuchtung und wollte deutliche Klarheit über meine Berufung haben. Am liebsten hätte ich einen Brief vom Heiligen Geist bekommen. Das kam nicht, aber mit der Zeit wurde ich immer sicherer: Ja, ich möchte ins Crescentiakloster eintreten, das Säkularinstitut ist doch nicht das Richtige für ich.
Dann kam jedoch das Problem: Wie sage ich das meiner Mutter und meinen Angehörigen? Ich wollte ihnen nicht wehtun. Ich erinnere mich an eine heftige Diskussion mit meinem Bruder, der dagegen redete. Als er jedoch nach unserem Gespräch zu unserer Mutter ging, sagte er ihr: Wir müssen sie lassen, es ist ihr Weg. Da ich noch ein halbes Jahr Zeit hatte bis zum Eintritt, hoffte sie, es könne noch verhindert werden.
Im Alter von 27 Jahren trat ich ins Crescentiakloster ein. Als meine Mutter später zur Einkleidung kam, war sie beruhigt. Das war ein sehr schönes Fest. Bei meinem ersten Heimaturlaub war sie sogar stolz auf mich.
Im Kloster arbeitete ich zunächst in der Paramentenstickerei. Im Alter von 30 Jahren hatte ich dann einen schweren Fahrradunfall, bei dem ich einen Schädelbasisbruch erlitt. Aufgrund der damit zusammenhängenden Sehstörungen konnte ich nicht länger in der Paramentenstickerei arbeiten, sondern wurde gebeten, an der Pforte zu helfen. Dort arbeite ich jetzt seit 45 Jahren, und ich kann sagen, dass mir der Unfall damals zum Segen geworden ist. Früher habe ich nie geglaubt, dass ich die vielen Fähigkeiten hätte, um diese Aufgabe zu tun, es war am Anfang auch alles andere als leicht, aber ich habe mich dann gut eingearbeitet und bekam mit der Zeit auch Anerkennung von außen, die mich gestärkt hat und mir Selbstvertrauen gegeben hat. Ich habe mein ganzes Ordensleben als Berufung gesehen: Gott hat mich hierher gestellt. In den Schwierigkeiten haben mir die Psalmen sehr geholfen und Kraft gegeben. Ich bin auch oft zur heiligen Crescentia gegangen und habe sie um Kraft gebeten.

Sr. M. Consilia Glas

Berufungsgeschichte
Anfangen möchte ich mit meiner Familie. Mit vier Geschwistern bin ich in einem kleinen Weiler im Unterallgäu auf einem Bauernhof aufgewachsen. Als Fundament meines Weges sehe ich es an, dass wir Kinder von unseren Eltern religiös geprägt wurden. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass der Glaube an Jesus Christus fester Bestandteil in unserem Alltag war. Unsere Eltern gingen mit uns am Sonntag in die hl. Messe und auch das Beten bei Tisch oder abends gehörte mit dazu. So konnten wir mit dem Glauben als etwas Selbstverständlichem aufwachsen.
Auch als Jugendliche, in dem Alter, in dem sich einige von der Kirche abwenden, war es mir weiter wichtig, regelmäßig in die Kirche zu gehen. Mein Glaube hat mir immer Kraft gegeben, vor allem auch da, als unsere Mutter plötzlich starb.
Als junge Erwachsene führte ich ein „normales“ Leben. Dazu gehörte z. B., dass ich meinen Beruf als Bauzeichnerin lange Jahre ausübte, in der Freizeit Freunde traf, in Urlaub fuhr und auch Partnerschaft. Ebenso ging ich hin und wieder in Lobpreisabende oder war auf Weltjugendtage. Aber meine Jesusbeziehung war noch mehr oder weniger oberflächlich. In dieser Zeit habe ich mir bei dem Lied „Jesus, dir leb ich, …“, wenn es im Gottesdienst gesungen wurde, gedacht, das mache ich doch gar nicht. Ich lebe nicht für Jesus. Jedoch war eine Sehnsucht in mir da, für IHN zu leben.
Außerdem hat mich das Gebet des hl. Nikolaus von der Flüe angesprochen:
„Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott gib alles mir, was mich führet zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“
Damals konnte ich die ersten zwei Verse gut beten, denn diese drückten auch das aus, was ich mir wünschte. Aber beim dritten Vers, hatte ich meine Probleme, denn ich wollte meine Entscheidungen selbst treffen.
Vor 10 Jahren verwirklichte sich mein Jugendtraum, für eine gewisse Zeit in ein ärmeres Land unserer Erde zu gehen. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit bei den Missionsbenediktinerinnen von Tutzing durfte ich dann für sieben Monate auf einer Missionsstation in Tansania mitleben und mitarbeiten. Mit vier einheimischen Schwestern verbrachte ich den Alltag und arbeitete im Montessori-Kindergarten mit, der von einer Schwester geleitet wurde.
Für diese Zeit bin ich sehr dankbar, denn da hat sich mein Glaube vertieft. Ich hatte die Sehnsucht, täglich zur Eucharistiefeier zu gehen und ich hatte dort angefangen in der Bibel zu lesen und das Tagesevangelium kurz zu betrachten. An den Abenden war Zeit für mich, fürs Gebet, denn es gab in dem Dorf abends keine Freizeitbeschäftigung, da es zu gefährlich war in der Dunkelheit hinauszugehen, und es gab keinen Fernseher und damals noch kein Handynetz. Diese Stille war sehr kostbar für mich, so konnte meine Jesusbeziehung wachsen.
Während der einjährigen Vorbereitungszeit und während des Aufenthaltes in Tansania kam mir immer wieder mal der Gedanke, ins Kloster zu gehen. Doch habe ich diesen weit von mir weggeschoben.
Zurück in Deutschland war ich wieder in meiner vorherigen Arbeitsstelle als Bauzeichnerin tätig. Als ich mich nach etwa einem halben Jahr hier wieder eingelebt hatte, kam für mich die Frage, wie meine Zukunft ausschauen sollte. Dies habe ich mit ins Gebet genommen und Jesus gebeten: „Herr, zeige mir den Weg, den du für mich bestimmt hast.“ Danach ließ mich der Gedanke ans Kloster nicht mehr los, und jetzt endlich war ich offen für den Willen Gottes, und konnte „Ja“ dazu sagen. Nach einiger Zeit sprach ich mit einer vertrauten Schwester aus Tutzing darüber. Ich spürte, ich muss woanders neu anfangen und sie gab mir den Tipp, im Internet verschiedene Klöster anzuschauen. Darunter war dann auch das Crescentiakloster, und mich hat es „irgendwie“ dorthin gezogen. Ein paar Mal war ich dort, und habe mich dann entschieden einzutreten.
Nun lebe ich seit acht Jahren hier und bin Jesus für dieses Leben als Ordensschwester (mit allen Licht- und Schattenseiten wie in jeder anderen Lebensform auch), das er mir schenkt, sehr dankbar. Papst Benedikt XVI sagte auf dem Weltjugendtag in Köln, „Gott nimmt nichts, er gibt alles“. Das darf ich immer wieder erfahren, und vertraue darauf, dass ER diesen Weg weiter mit mir geht.

Sr. M. Angelika Wißmiller

Barfuß – Eine Berufungsgeschichte

In unserer Familie ging man regelmäßig in die Kirche. Das gehörte einfach dazu, ohne dass ich mir groß Gedanken darüber machte. Für das Religiöse interessierte ich mich überhaupt erst als Teenager.
In einem Alter, in dem man gerne schwärmt und sich Idole sucht, war mein großes Vorbild Franz von Assisi – deswegen heiße ich jetzt auch Franziska. Damals liefen biographische Filme im Fernsehen, Peter Janssens komponierte sein Franziskus-Musical und in Waal brachte sie das Leben des heiligen Franz auf die Bühne. Zu dieser Zeit wirkte ein junger Franziskanerpater in unserer Gemeinde. Seine Predigten waren feurig und er scheute nicht davor zurück, Missstände und Ungerechtigkeiten vor Ort beim Namen zu nennen. Das brachte ihm natürlich Schwierigkeiten ein – ich sah in ihm regelrecht einen Helden. Da ein Vater Organist war und mit dem jungen Geistlichen immer die Gottesdienstlieder durchsprach, war dieser öfter bei uns zu Gast. Bei einem Gläschen Wein erzählte der Pater von Franziskus, von seiner eigenen Berufung und seinem Wunsch, in die Mission zu gehen. Das faszinierte mich ungeheuer. Mit 17 Jahren entschloss ich mich, Ernst zu machen: Ich begann, Geld, meine besten Kleidungsstücke, Bücher und anderes an alle möglichen Leute zu verschenken und ziemlich ärmlich herumzulaufen. Meine Eltern mussten mir die notwendigen Dinge wieder nachkaufen und machten mir zu Recht Vorwürfe. Ich merkte, dass ich auf Kosten anderer eine Art Armut verwirklichen wollte, die in Wirklichkeit aber keine war. Ich hatte das Kloster nötig!
Zunächst hielt ich Ausschau nach einer besonders strengen Gemeinschaft: Unser Schulseelsorger besorgte mir einige Fachblätter verschiedener Frauenorden und ich interessierte mich spontan für die „Unbeschuhten Karmeliterinnen“. Als ich allerdings bei näherer Betrachtung sah, dass die Schwestern dort durchaus nicht barfuß liefen und auch gute Strümpfe trugen, dachte ich mir: Na, dann kannst du grad so gut zu den Franziskanerinnen von Kaufbeuren gehen. Der heilige Franziskus war ja, wie gesagt, sowieso mein spezielles Vorbild.
Im Internat St. Maria lernte ich Klosterfrauen kennen, die Zeugnis davon gaben, dass Gott ein persönlicher Ansprechpartner ist. Ich lernte die Bibel zu lesen und zu verstehen, sie wurde bald zu meinem Lieblingsbuch. Mit 18 verkündete ich meinem Familien- und Bekanntenkreis, dass ich ins Kloster eintreten wolle, und freute mich an den verschiedenen Reaktionen der Leute. Eltern, Geschwister und Freunde rieten mir zunächst, noch ein wenig zu warten. Sogar die damalige Oberin des Klosters wollte mich noch nicht aufnehmen, was mich ehrlich wunderte und auch beeindruckte. Ich dachte nämlich, die würden mich so schnell als möglich in ihre Reihen einführen, weil sie doch Nachwuchs brauchten.
Nein, es ging den Schwestern wirklich um meine ureigene Berufung, nicht um ihren Nachwuchs und ich musste mich in Geduld üben. Ich flog inzwischen für zwei Monate nach Amerika, verliebte mich sogar noch heftig in einen Studenten, aber die Klosterbegeisterung überwog alles, und als ich 20 Jahre alt war, nahmen mich meine Mitschwestern feierlich auf.
Das geschah übrigens vor 30 Jahren und ich habe noch keinen Tag bereut, ins Kloster eingetreten zu sein, was natürlich nicht heißt, dass ich keine Krisen durchleben musste oder Sperenzchen veranstaltete, wie jede andere auch.
Ich unterrichte junge Leute in Religion und Deutsch. Das ist für mich ein unglaublich anregender Beruf, erstens, weil die jungen Leute so interessante Fragen und Gedanken haben, zweitens, weil ich so die Schätze, die ich im Laufe meines Lebens gewonnen habe, sehr gerne weitergebe. Mein größter Schatz aber ist die Überzeugung, dass Gott uns liebevoll in den Händen hält und dass alles einmal gut werden wird.

Sr. M. Franziska Stahl

Der innerste Kern

„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch auserwählt.“  Joh 15,16

Nicht ich habe gewählt, sondern Gott hat mich gewählt. Während meiner Suchphase zum künftigen Lebensentwurf begleitete mich ein Wort der damals auch von mir vielgelesenen Gertrud von Le Fort: „Gott, wie du verfolgst, so verfolgt keiner.“ Und je nach Stimmungs­­lage fügte ich hinzu: „ … du liebender, fragender, lockender, hartnäckig nach­gehender Gott.“ Nach Gesprächen, Fragen, Ringen und Hören war irgendwann die Klarheit da, das Suchen beendet, der Schritt über die Schwelle der Klosterpforte getan. Es war zur gleichen Zeit, als meine ältere Schwester sich für den Schritt in die Ehe, und meine jüngere sich für die Fahrt über den Ozean in die USA entschieden.  Ich sagte Gott mein Ja zur engeren Nachfolge Jesu Christi in einer franziskanischen Ordensgemeinschaft, weil ich mir in meinem innersten Kern seiner unverdienten Erwählung sicher war. In den Gelübden (Gehorsam, Armut, ehelose Keuschheit) fand ich eine Hilfe, meine mir mögliche Antwort auf Gottes Liebe zu geben.
Freilich blieben auch die Erfahrungen, als Angefochtene auf dem Weg zu sein, nicht aus. Aber gerade diese Zeiten brachten mich dem innersten Kern der Berufung näher: der bedingungs­losen Liebe Gottes zu mir und allen Geschöpfen.
In der Nach-Konzilszeit prägte mich die Entdeckung des biblischen Reichtums und eine größere Wachheit, als Franziskanerin die  Heraus­forderungen der evangelischen Räte zu leben. Daraus erwuchs, was mir in meinen Jahrzehnten des Ordensleben immer wichtiger wurde: zunächst Kindern und Jugendlichen den Glauben weiter zu geben und – bis heute – als Weggefährtin mit Erwachsenen auf dem Glaubens- und Lebensweg Mit-Suchende zu sein. Wertvoll sind mir Menschen, die mir auf ihrem Weg bereits ein Stück voraus sind und mein Gottvertrauen stärken. Und auch mein Lieblings-Psalm 103, der mir immer wieder ins Herz schreibt: „Lobe den Herrn, meine Seele und alles in mir seinen Namen… und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (V 1-2)

Sr. M. Irene Schlegel